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RAUM UND GRENZEN – der eigene Platz im Leben

Raum und Grenzen sind Grundelemente unseres Wohlbefindens. Sie bestimmen, wie wir uns selbst erleben, wie wir in Beziehung treten – und wie viel Nähe oder Distanz wir zulassen können. Oft nehmen wir erst wahr, dass etwas nicht stimmt, wenn unser Raum eng wird, wenn wir uns übergangen, überfordert oder innerlich leer fühlen.

 

Ein gesunder Umgang mit Raum und Grenzen ist kein starres Konzept. Er ist ein lebendiger Prozess – ein feines Spüren, wo wir beginnen und wo wir aufhören, was uns guttut und was uns erschöpft.

Viele Menschen verlieren im Lauf der Zeit das Gespür für ihre inneren und äusseren Grenzen. Der Wunsch, gebraucht zu werden, Erwartungen zu erfüllen oder Harmonie zu wahren, führt dazu, dass wir unseren Raum unbewusst verkleinern. Wir sagen „ja“, obwohl wir „nein“ fühlen. Wir halten Nähe aus, die uns überfordert, oder vermeiden Kontakt aus Angst vor Ablehnung.

 

Mit der Zeit entsteht ein Gefühl von Enge, Erschöpfung oder innerer Distanz – wir fühlen uns fremd in unserem eigenen Leben. Grenzen, die einst Schutz boten, werden zu Mauern oder lösen sich ganz auf.

 

 

Raum bedeutet Selbstwahrnehmung

Einen eigenen Raum zu haben – innerlich wie äusserlich – bedeutet, sich selbst zu spüren. Es ist der Raum, in dem wir atmen, fühlen, denken, wahrnehmen dürfen, ohne uns zu rechtfertigen. Hier entsteht Bewusstsein: Was brauche ich? Wo endet mein Verantwortungsbereich? Wann ist Nähe nährend – und wann zu viel?

 

Grenzen sind keine Trennung, sondern Kontaktlinien. Sie definieren nicht nur, wo „ich“ aufhöre, sondern auch, wo Begegnung beginnen kann. Erst dort, wo eine Grenze spürbar ist, kann echter Kontakt stattfinden.
 

Image by Simon Maage

Was geschieht, wenn Grenzen fehlen oder zu starr werden

Das Gleichgewicht zwischen Offenheit und Schutz ist empfindlich. Fehlende Grenzen führen zu Überforderung, Anpassung oder innerer Erschöpfung. Zu starre Grenzen hingegen verhindern Verbindung, Nähe und Lebendigkeit.

 

  • Zu wenig Grenze: Wir übernehmen Verantwortung für andere, verlieren das Gespür für eigene Bedürfnisse, fühlen uns ausgenutzt oder leer.

  • Zu viel Grenze: Wir ziehen uns zurück, isolieren uns emotional, vermeiden Konflikte oder Nähe.

  • Gesunde Grenze: Wir sind in Kontakt – offen, aber nicht überflutet; verbunden, aber nicht verschmolzen.

 

Der Weg zur Balance – Raum wiederfinden

Die Arbeit an Raum und Grenzen beginnt mit Wahrnehmung. Oft geht es nicht darum, sofort etwas zu verändern, sondern zunächst zu spüren, was ist:

  • Wie fühlt sich mein Körper an, wenn jemand zu nahe kommt?

  • Wie atme ich, wenn ich mich unter Druck gesetzt fühle?

  • Wo in mir entsteht Enge, wo Weite?

 

Über Körperarbeit, Achtsamkeit und bewusste Atemführung kann sich das innere Empfinden klären. Der Körper wird zum Kompass – er zeigt, wann eine Grenze erreicht ist und wo Weite entstehen darf.

So entsteht wieder Orientierung und die Fähigkeit, sich selbst treu zu bleiben – auch in Beziehung zu anderen.

In der therapeutischen Begleitung

In der Arbeit mit dem Thema „Raum und Grenzen“ geht es darum, den eigenen inneren Raum wieder zu spüren und zu gestalten. Oft geht es nicht darum, sofort etwas zu verändern, sondern zunächst zu spüren, was ist:

  • Wie fühlt sich mein Körper an, wenn jemand zu nahe kommt?

  • Wie atme ich, wenn ich mich unter Druck gesetzt fühle?

  • Wo in mir entsteht Enge, wo Weite?

Gemeinsam erforschen wir:

  • Welche Grenzen du gelernt hast – und welche du heute wirklich brauchst

  • Wie du deinen Körper als Resonanzraum für deine Bedürfnisse nutzen kannst

  • Wie du „Nein“ sagen kannst, ohne Schuldgefühle zu entwickeln

  • Wie Nähe und Distanz in Balance kommen können

Durch achtsame Körperwahrnehmung, Gespräche und gezielte Übungen wächst ein neues Bewusstsein: Du darfst Raum einnehmen, du darfst dich abgrenzen, du darfst dich zeigen.

Wieder in Kontakt mit sich selbst: 

  • Gesunde Grenzen sind Ausdruck von Selbstachtung.

  • Sie schaffen Raum für Lebendigkeit, für Beziehung, für Freiheit.

  • Indem du lernst, deinen Raum zu halten, entsteht eine innere Ruhe – das Gefühl, wirklich bei dir zu sein.

 

Raum und Grenzen sind keine Gegensätze. Sie gehören zusammen wie Einatmen und Ausatmen – Bewegung und Pause, Nähe und Rückzug. Wenn beides in Balance kommt, kann das Leben fließen – klar, kraftvoll und verbunden.

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